cycling claude im interview: das "tex–lock 2.0"

28.09.2018 10:03 - Public Relations

Wir haben mit dem deutschen Top-Fahrradblogger mit Schwerpunkt auf Rennrad und Gravel für alle Kettenhelden gesprochen. Cycling Claude hat nicht nur den Begriff tex—lock gate, sondern auch tex—lock 2.0 geprägt und uns von Anfang an begleitet. 

Du hast unseren Weg von Beginn an mitverfolgt. Was war Dein Eindruck, als Du das erste Mal von tex—lock gehört hast?

Ich lebe in einer Region (Rhein-Main). Hier ist Fahrraddiebstahl leider an der Tagesordnung. Vier Räder sind mir in den letzten 14 Jahren abhanden gekommen. Wer teures Material fährt, lässt sein Rad ungern länger auf der Straße stehen, egal wo, egal mit welchem Schloss. Fahrradschlösser mit hohem Sicherheitsstandard sind in der Regel schwer und unhandlich. Falt- oder Bügelschlösser am Rahmen befestigt - bei Rennrädern sowieso ein No-Go. Entsprechend war das von Texlock auf Kickstarter gegebene Versprechen – im Start-Up-Jargon die „Value Proposition“ – unglaublich gut. Ein Textilschloss, das einerseits leicht und flexibel ist, andererseits aber Bolzenschneider, Feuer; Säge etc. lange Widerstand leistet. Genial. Entsprechend habe ich in meinem Blog darüber berichtet und wohl einige Leser animiert, genau wie ich, bei der Kickstarter-Kampagne zu investieren.

Wie viele andere auch, hast Du Säge-Gate zum Thema gemacht und in Deinem Blog einen Zerstörversuch gestartet. Der war erfolgreich, das Urteil zu unseren Produkten fiel entsprechend aus. Auf der EUROBIKE hast Du dann noch mal die Säge angelegt – an die neue Version. Warst Du zufrieden?

Als ich mein Kickstarter-Exemplar auspackte, war ich von Produktanmutung angetan. Dass der auf Kickstarter erwähnte Sägeschutz nicht ausreichend war, wusste ich damals nicht. Irgendwann bekam ich per E-Mail das 8-Sekunden-Sägevideo zugespielt und dachte zunächst an eine Manipulation. Als texlock von einem „Versuch unter Laborbedingungen“ sprach, wollte ich es für mich und meine Leser ausprobieren. Im Baumarkt besorgte ich eine günstige Säge und außerdem einen 60 cm langen Bolzenschneider. Eigentlich vermutete ich, die Bolzen seien der Schwachpunkt des tex—lock. Die halten einem Bolzenschneider aber durchaus stand. Auf der Straße zersägte ich das Textilseil meines tex-lock in 32 Sekunden. Obwohl Passanten vorbeiliefen, merkte niemand, dass gerade ein Fahrradschloss geknackt wurde.

Als ich Minuten danach mit dem Bolzenschneider die Ösen bearbeitet, schlugen Passanten Alarm. Nicht nur die 32 Sekunden machten das tex—lock in meinen Augen unsicher, sondern dass das Schloss zu knacken war, ohne dabei großartig aufzufallen. Auf der Eurobike 2018 durfte ich mich mit eigener Säge und frischem Sägeblatt an einem verbesserten tex—lock-Seil versuchen. Nach ca. 2 Minuten war die Säge stumpf. Durchsägen war (zumindest mir) nicht möglich.

 

 

 

 

Du hast den Begriff „tex—lock 2.0“ geprägt. 2.0 steht ja immer für Weiterentwicklung. Hat tex—lock das aus Deiner Sicht geschafft?

Ja, eindeutig. Die Sägesicherheit, von der bei Kickstarter die Rede war, ist kein leeres Versprechen mehr. Dass man mit der Säge in kurzer Zeit das Seil bis zur innen liegenden Kette öffnen kann, dürfte jedem klar sein. Dass danach ein Bolzenschneider den Rest erledigen kann, darüber muss man auch nicht diskutieren. Ein Fahrraddieb braucht nun aber Säge und Bolzenschneider, um ein tex-lock öffnen zu können. Unauffällig, alleine mit der Säge, geht nicht mehr. tex—lock 2.0 ist deshalb eine Weiterentwicklung und hebt das tex—lock auf eine Stufe mit anderen Schlössern „mittlerer Sicherheit“, wie es so schön heißt.

Wie waren die Rückmeldungen aus Deiner Community?

Die Rückmeldungen waren gemischt. Vor allem wurde kritisiert, dass ich es nach dem Sägen nicht mit einem Bolzenschneider versucht hatte. Das war aber gar nicht das Thema. Ich hatte die fehlende Sägesicherheit kritisiert. Um die ging es. Dass die offensichtlich gehärtete Kette im tex—lock 2.0 einem 60er Bolzenschneider nicht standhalten kann, wenn gar ein Hip-lock Lite damit zu öffnen ist, braucht keine weitere Demonstration. Außerdem wollte die Community wissen, um wie viel schwerer das tex—lock 2.0 ist. Das konnte ich damals nicht beantworten. Sobald ich mein tex—lock 2.0 zuhause habe, werde ich es wiegen. Wichtig war den Erstkäufern bzw. Kickstarter-Unterstützern, ein gutes Angebot für den Kauf des Nachfolgers zu bekommen. 30% Rabatt werden jetzt angeboten. Für unzufriedene Kunden des Handels finde ich das ok.

Als das Produkt auf dem Markt kam, war von Sägesicherheit keine Rede. Kickstarter-Kunden, denen „saw resistance“ versprochen wurde, würden sich nun über ein besseres Angebot freuen – ich übrigens auch. Das führt mich zur Gretchenfrage: Würde CyclingClaude eines seiner Titanräder, mit dem tex—lock 2.0 gesichert, irgendwo abstellen? Ja, das würde ich riskieren, genau wie ich meine Räder heute mit einem Hip-lock Lite abschließe. Allerdings mache ich das nur, wenn ich das Rad nur kurz aus den Augen lasse. Bin ich länger weg, nutze ich generell zwei unterschiedliche Schlösser. Ein tex—lock 2.0 in Kombination mit einem Hip-lock Lite oder ein tex—lock 2.0 zusammen mit Abus Bordo Granite, warum nicht?

Du hast Dein Ohr immer nah an der Community. Wie beurteilst Du unsere Kommunikation mit den Nutzern? Würdet ihr euch hier Veränderungen wünschen?

Hm, gute Frage. Ich habe an der Uni ein Semester Krisenkommunikation studiert und glaube, dass tex—lock beim #texlockgate so ziemlich alles falsch gemacht hat. Kundenfeedback ist ernst zu nehmen. Fehler sollte man schnell eingestehen und nach Lösungen suchen, ohne dass die Kommunikation abbricht. Die Aussage, dass Kunden sich in der Kickstarter-Euphorie die Sägesicherheit selbst ausgedacht hätten, war wenig dienlich. Auch die Gender-Karte zu ziehen, war unnötig. Dass es – mit Verlaub – immer Arschlöcher gibt, die Frauen nichts zutrauen, daran ist leider nicht zu ändern. Solche Kommentare und Anfeindungen ignoriert man besser, anstatt diese Menschen mit Reaktionen zu füttern.

Ich glaube, tex—lock würde heute anders kommunizieren, als vor einem halben Jahr. Man lernt ja. Deshalb muss ich mir gar keine Veränderungen wünschen. Klar habe ich mich über die Produktschwäche genauso geärgert, wie über die nachfolgende Kommunikation. Man sollte tex—lock aber zugutehalten, dass bei einem Start-Up nicht nur Kommunikationsexpertise gefragt ist. Man muss ein Produkt entwickeln und nachhaltig an den Markt bringen. “Start-Upper” sind selten Allrounder.

 

Wir sagen DANKE für deine Zeit und deine ehrlichen Worte, Claude.

 

 

 

Cycling Claude findet ihr auf Twitter, Instagram, Facebook und Youtube und seinem Blog

Foto (c) by EUROBIKE



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