wie sicher ist ein tex-lock?

21.04.2018 22:46 - Alexandra Baum

Bei der Entwicklung unseres Schlosses stand von Beginn an der Anspruch, die beste Balance aus Sicherheit, Handhabung und Design zu finden.

Jedes Fahrradschloss ist letztendlich ein Kompromiss zwischen diesen drei Aspekten. Viele Hersteller haben für die Sicherheit eigene Standards festgelegt. Einige nehmen subjektive Abstufungen von 1 bis 15 vor und lassen individuelle Merkmale wie das Design ihrer Schlösser mit in die Bewertung einfließen. Andere weisen die Sicherheitsstufen ihrer Produkte mit Farben aus. Keines der Systeme war in unseren Augen passgenau für tex—lock. Unser Anspruch bestand darin, ein Produkt zu entwickeln, das ein Sicherheitsversprechen vergleichbar mit einer Stahlkette erfüllt. Deshalb haben wir uns bei unseren Tests an den Vorschriften der DIN EN 15496 für Bügelschlösser und Kettenschlösser orientiert. Diese besagt:

 

EIN FAHRRADSCHLOSS MUSS SO KONSTRUIERT SEIN, DASS …

… das Fahrrad weder gefahren noch auf übliche Art und Weise geschoben werden kann und das Drehen mindestens eines Rades verhindert wird.

… es nicht möglich ist, das Schloss durch Abnehmen eines einfach zu lösenden oder zu befestigenden Fahrradteils (z. B. eines Rades oder der Sattelstütze) zu entfernen.

… es nicht möglich ist, das Schloss durch Verformen eines Fahrradteils (z. B. der Gabel oder der Hinterbau-Oberstrebe) zu entfernen oder zu öffnen, außer wenn durch diese Verformung die spätere übliche Benutzung des Fahrrades ausgeschlossen wird. Die angegebene Sicherheitsleistung kann nur dann erreicht werden, wenn das Schloss entsprechend der Anleitung des Herstellers angebracht und verriegelt wurde.


Werden Fahrradschlösser in Tests auf ihre Sicherheit hin überprüft, sehen diese Versuche bestimmte Bedingungen vor:

Alle Prüfungen sind bei einer Umgebungstemperatur von +20 °C ±  5 °C durchzuführen.
Falls nicht anders festgelegt, gelten folgende Grenzabweichungen: Kraft ±  2 %, Drehmoment ±  2 %, Masse/Gewicht ±  2 %, Abmessung ±  2 %, Zeit ±  5 s, Temperatur ±  3 °C

Diese Vorgaben bildeten auch die Grundlage für die Sicherheitstests von tex—lock. Dass unser Schloss trotzdem nicht DIN-normiert ist, hat zwei ganz schlichte Gründe: Die Prüfvorgaben der DIN-Norm gelten derzeit nur für Bügelschlösser und Stahlketten. Außerdem kaufen wir momentan die Schlösser zum Verschließen des tex—lock zu. Da das Schloss nur insgesamt, also die Kombination von tex—lock und Schloss, zur Prüfung angenommen wird, stehen wir in Verbindung mit dem Deutschen Institut für Normung (DIN) zur Erteilung einer Produktkategorie für einen Sicherungsstrang.

 

Hinsichtlich der Überprüfung der Sicherheit unseres Produktes haben wir folgende Aspekte überprüft:

1. ZUGFESTIGKEIT

Hier gilt: Das Schloss wird befestigt und es wird sichergestellt, dass die Konstruktion der Befestigungsvorrichtung das Prüfergebnis nicht beeinträchtigt. Eine Kraft wird allmählich auf das Schloss aufgebracht, bis das Schloss bricht oder bis eine Kraft von 10 kN erreicht und eine Minute aufrechterhalten wird, je nachdem, welcher Fall zuerst eintritt. Diesen Test haben wir mit einem Bagger simuliert:

https://www.youtube.com/watch?v=xP00uJ1jZLo

 

2. VERDREHFESTIGKEIT

Hier gilt: Ein Drehmoment wird allmählich auf das Schloss aufgebracht, bis ein Drehmoment von 500 Nm erreicht ist, welcher eine Minute aufrechterhalten wird. Diesen Test haben wir im Rahmen der Entwicklung der Nullserie simuliert und erfolgreich bestanden. 

 

3. SCHNEIDFESTIGKEIT

Hier gilt: Es wird ein Schneidwerkzeug verwendet, das aus einem Werkstoff mit einer Härte von 770 HV 10 ±  30 HV 10 hergestellt ist. Eine Kraft F wird mit einem Schneidwerkzeug allmählich aufgebracht, bis eine Kraft von 55 kN erreicht und eine Minute aufrechterhalten wird.

Dieser Test war uns sehr wichtig. Um diesen zu simulieren, haben wir bei der Entwicklung des Schlosses einen nahegelegenen Buchbinder aufgesucht und haben unser Schloss unter eine automatische Planschneidemaschine gelegt. Diese wird z.B. Auch in Druckereien eingesetzt, um mehrere hundert Blatt Papier auf einmal zu zerschneiden. Bei unserem Test brauchten die Buchbinder drei Anläufe um unser Schoss endgültig zu zerstören.  

 

4. SCHLAGFESTIGKEIT

Hier gilt: Das Schlossgehäuse wird in ein Gefrierfach gelegt, bis die Temperatur des Schlosses –20 °C beträgt, und diese Temperatur wird mindestens 6 Stunden aufrechterhalten. Die Schlagvorrichtung (3.050 g ±  20 g) wird aus einer Höhe von 1.000 mm auf das Treibwerkzeug fallen gelassen. Der Vorgang wird wiederholt, so dass die Schlagvorrichtung innerhalb von 90 Sekunden das Treibwerkzeug insgesamt 5 Mal treffen muss. Der erste Schlag muss innerhalb von einer Minute nach Entnahme des Schlosses aus dem Gefrierfach ausgeführt werden. Hier waren uns 3 kg aus einer Höhe von einem Meter viel zu wenig. Wir haben unser Schloss eingefroren und mit einem Vorschlaghammer mehrfach bearbeitet. Wie zu erwarten war, wichen unsere Textilien der Belastung aus und es war nicht möglich, das tex—lock zu zerschlagen.

 

5. BESTÄNDIGKEIT GEGEN GEWALTEINWIRKUNG MIT HANDWERKZEUGEN

Hier gilt: Ein Schloss ist als sicher anzusehen, wenn es nicht durch 6 verschiedene Angriffe in einer Gesamtzeit von jeweils 120 Sekunden zu öffnen ist. Das Fahrrad ist an einem unabhängigen Prüfstand anzubringen. Jede Prüfung ist nur von einer Person durchzuführen.

Sofern der Schlosshersteller nicht festlegt, dass das Schloss nur für die Verwendung an einem bestimmten Fahrradmodell vorgesehen ist, muss das Fahrrad, an dem die Schlösser zu prüfen sind, nur bestehen aus:

- einem Herren-Rahmen der Größe 560 mm ±  5 % mit einem maximalen Rohrdurchmesser von 35 mm;

- zwei Rädern gleicher Größe, ausgerüstet mit Reifen gleicher Größe, aufgeblasen auf den maximalen Druck von 28 bis 590 bis einschließlich 32 bis 630, je nach Reifenkennzeichnung;

- einem geraden Lenker oder einem Lenker ähnlicher Art, der für vorwiegend aufrechtes Sitzen geeignet ist;

- einem gewöhnlich genutzten Sattel, Pedalen, vorderem und hinterem Kettenrad und einer Fahrradkette;

- das Sitzrohr muss auf die maximal mögliche Tiefe eingeschoben werden (niedrigste gekennzeichnete Stellung).

Alle Schlösser müssen geprüft werden, wenn sie nach den Anleitungen des Herstellers auf einem Fahrrad montiert wurden. Falls möglich, muss mit dem Schloss mindestens ein Rad am Rahmen oder an der Gabel angeschlossen werden. Falls die Konstruktion des Schlosses es zulässt, müssen mit dem Schloss während der Prüfung der Rahmen und mindestens ein Rad auch an einem unabhängigen Prüfstand angeschlossen werden.

Zur Durchführung jeder Prüfung mit Gewalteinwirkung (Angriffspunkt) dürfen diverse Schnitt- Schlag- und Verdreh-Handwerkzeuge genutzt werden.

Es sind sechs Angriffe durchzuführen und jeder Angriff ist an einem neuen Schloss vorzunehmen. Jede Art der Gewalteinwirkung darf mehrmals ausgeführt werden, allerdings sind jeweils definierte Zeiten vorgeschrieben.

Wir haben aufbauend auf oben genannter Versuchsanordnung verschiedenste Angriffe auf das tex—lock simuliert, und stellten fest: es hält den Angriffen bzw. einer Kombination daraus im selben Maße Stand, wie eine Stahlkette dies tun würde. Daher glauben wir an die Sicherheit unseres Schlosses.

Wenn Ihr weitere Fragen hierzu habt, freuen wir uns auf Nachrichten an uns und werden diese schnellstmöglich beantworten.

 

Abbildungen: DIN EN 15496 - Fahrräder: Anforderungen und Prüfverfahren für Fahrradschlösser



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